Zisterzienserstift Lilienfeld
Österreichische Zisterzienserkongregation
Klosterrotte 1, A-3180 Lilienfeld
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld; 1980-1990.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Lilienfeld ist ein Kloster der Zisterzienser (OCist) in Lilienfeld in Niederösterreich. Die Zisterzienser des Stiftes Lilienfeld betrachten es als ihre Hauptaufgabe, die Liturgie (Stundenliturgie und Heilige Messe) zu feiern. Dem Stift Lilienfeld sind 19 Pfarren inkorporiert, in denen die Patres als Seelsorger wirken. Einzelne Patres sind auf einer theologischen Fakultät tätig, einige sind Religionslehrer. Das Stift Lilienfeld nimmt gerne Gäste auf und ist eine wichtige Pilgerstation auf der Via Sacra, dem alten Pilgerweg nach Mariazell. Manche Patres wirken in der Verwaltung des Klostergutes. Die Einnahmen von Forst, Jagd, Fischerei und Gästebetreuung werden für die Löhne der Mitarbeiter und für die Erhaltung der zahlreichen historischen Gebäude des Stiftes Lilienfeld (Stiftskomplex, Pfarrkirchen und Pfarrhöfe in den inkorporierten Pfarren) gebraucht.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld; 1986.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Südwestlicher Eckturm mit dem
Eingang zum Kellerstüberl.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Lilienfeld stellt das mittelalterliche Laienbrüderdormitorium und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Cellarium für Veranstaltungen zur Verfügung. Bei Führungen können die mittelalterliche Klosteranlage und die barocke Bibliothek besichtigt werden. Der Abtei Lilienfeld ist ein Klosterladen und eine Buchhandlung angeschlossen.

Das Stift ist ein spirituelles und kulturelles Zentrum der Region. Es gilt als eines der schönsten Denkmäler mittelalterlicher Baukunst in Österreich und ist die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa.
Geschichte
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld von Nordwesten mit Teich im Vordergrund.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Konvent wurde 1202 durch Leopold VI., Herzog von Österreich und der Steiermark, als Tochterkloster von Stift Heiligenkreuz gegründet und gehörte damit der Filiation der Primarabtei Morimond an. 1217 versammelte Herzog Leopold VI. in Lilienfeld viele Adelige seines Herrschaftsgebietes, um von hier aus zum Fünften Kreuzzug aufzubrechen. Nach dem Kreuzzug schenkte er dem Stift Lilienfeld eine Kreuzreliquie, die er in Byzanz erhalten hatte. Nach seinem Tod wurde Herzog Leopold VI. in der Kirche des Stiftes Lilienfeld bestattet. Die Begräbnisfeierlichkeiten für den Stifter am 30. November 1230 waren mit der Kirch- und Klosterweihe von Lilienfeld verbunden. 1266 oder 1267 fand Königin Margarete von Babenberg in der Stiftskirche ihre letzte Ruhestätte.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld Stift. Vorpark mit Durchblick auf die Hauptfassade und das Haupttor.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im 14. Jahrhundert erlangte das Skriptorium von Stift Lilienfeld besondere Bedeutung durch Abt Ulrich von Lilienfeld und den Mönch Christanus (oder Christian) von Lilienfeld. Die Mönche des Stiftes Lilienfeld nahmen sich im Mittelalter sehr um die Armen- und Krankenfürsorge und um die Gästebeherbergung an. Als Cimburgis von Masowien, die Mutter von Kaiser Friedrich III., auf einer Wallfahrt nach Mariazell in Türnitz starb, wurde sie im Presbyterium der Stiftskirche Lilienfeld bestattet.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Geburt Maria: Altarflügel.
Wiener Meister um 1480.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Papst segnet die Hl. Ursula.
Altarflügel, Wiener Meister um 1475.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Gekreuzigte und Heilige Bernhard
von Clairvaux. Tafelgemälde.
Österreichischer Meister um 1510.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Gefangennahme Christi
Altarflügel, Wiener Meister um 1480
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach einer geistlichen Krise im Stift Lilienfeld des 16. Jahrhunderts wurde die Abtei im 17. Jahrhundert zu einem regionalen Zentrum der Gegenreformation. Von 1641 bis 1716 wurde der mittelalterliche Klosterkomplex durch frühbarocke Anbauten des Gasttraktes, des Westtraktes mit den Kaiserzimmern, der Prälatur und der Bibliothek ergänzt. Während der Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 leistete das Stift Lilienfeld zusammen mit der Bevölkerung der Umgebung erfolgreichen Widerstand gegen die Plünderungen der umherziehenden Türken und Tataren. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden der Kirchturm, die Bibliothek und die Kircheninneneinrichtung im Barockstil errichtet. In der Zeit der Aufklärung übernahm das Stift Lilienfeld zahlreiche Aufgaben in der Pfarrseelsorge vieler neuer Pfarren.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld von erhöhtem Standpunkt von Ostsüdost.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1789 ließ Kaiser Joseph II. das Stift Lilienfeld aufgrund großer Schulden des Stiftes aufheben. Sein Nachfolger Kaiser Leopold II. stellte es jedoch – auch auf Bitten der Lilienfelder Bevölkerung – wieder her. Während dieses einen Jahres der Aufhebung gingen viele wertvolle Kunstgegenstände und Schriften des Stiftes verloren. 1810 verheerte ein großer Brand fast das ganze Stift, das in den Folgejahren unter Abt Johann Ladislaus Pyrker mühsam wieder aufgebaut wurde. Dieser Abt wurde später Patriarch von Venedig und schließlich Erzbischof von Eger (Ungarn). Die Äbte des Stiftes Lilienfeld traten während des 19. Jahrhunderts als Kunstmäzene im Bereich der Musik und Malerei auf. Abt Ambros Becziczka ließ 1826 einen botanischen Garten mit exotischen Pflanzen, den sogenannten Stiftspark, anlegen.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld, Stiftshof; 1939
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im 20. Jahrhundert litt das Stift Lilienfeld sehr an den wirtschaftlichen Krisen der 1930er Jahre, an starken Beschränkungen während des NS-Regimes und an den Zerstörungen während der letzten Kriegstage 1945. Eine russische Bibel soll dafür verantwortlich sein, dass das Kloster von den Besatzungssoldaten der sowjetischen Armee verschont blieb. Auch ein Hinweis im Gästebuch des sowjetischen Kommandant in russischer Sprache deutet auf die Schonung des Klosters durch die Besatzungsmacht hin.

„"… In diesem Kloster musste ich mit einer Gruppe Soldaten in den Tagen des Kriegsendes einige Tage bleiben und auf alle erdenklichen Weisen rettete ich dieses Kloster vor Plünderung, indem ich seine Denkmäler bewachte. …"“
– Übersetzung des Eintrags im Gästebuch
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld; 1980-1990.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Nach der Zeit des Wiederaufbaus fand im Stift Lilienfeld 1976 die Niederösterreichische Landesausstellung „1000 Jahre Babenberger in Österreich“ statt. 1976 verlieh Papst Paul VI. der Stiftskirche Lilienfeld den Titel einer Basilika minor. Bei Grabungen in der Stiftskirche im Jahr 1974 wurde festgestellt, dass der aus Türnitzer Marmor bestehende Sarg Leopolds VI. nur ein Kenotaph ist. Unter dem leeren Sarg ist die Grablege der oben genannten Cimburgis. Leopold VI. ist am nördlichen Rand des Altarraums vor der Balustrade bestattet, daneben seine Tochter Margarete von Babenberg. Außen an der Chorbalustrade weisen zwei Inschriften auf die beiden Gräber hin. Im Presbyterium, in dem Cimburgis vermutet wurde, liegt der Freisinger Fürstbischof Konrad IV.
Bibliothek
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld; Siftsbibliothek; 1970-1980
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Klosterbibliothek wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Unter Abt Sigmund Braun (1695-1716) wurde der Einbau einer barocken Saalbibliothek im 1. Stock über dem Refektorium durchgeführt und 1716 fertiggestellt (Fläche von 17,80 m * 7,60 m, Höhe von 4,70 m). Er weist starke Ähnlichkeiten zu dem im Kloster Lambach auf.
Stift Lilienfeld © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Lilienfeld; Bibliothek, 1930-1940
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Bibliothek kann im Rahmen einer Stiftsführung besichtigt werden. Sie erfahren dabei historische Hintergründe über den Aufbau, die künstlerische Ausgestaltung und über das Programm der Deckenfresken. Auf dem Weg zum heutigen Bestand von 40000 Bänden, 229 Handschriften und 120 Inkunabeln gab es teils schmerzvolle Verluste, etwa bei der kurzzeitigen Aufhebung des Klosters 1789, aber auch wertvolle Neuzugänge.
Orgel der Stiftskirche
Die Stiftskirche beherbergt auf der Westempore eine große Orgel. Das Orgelgehäuse stammt von einem Instrument, welches im Jahre 1767 von dem Orgelbauer Ignaz Gatto erbaut wurde. Das ursprüngliche Orgelwerk hatte 22 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Im Laufe der Zeit wurde es mehrfach mehrfach erweitert und umgebaut; Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen in den Jahren 1940 und 1944 blieben unvollendet. Im Jahre 1956 entschied man sich für ein neues Orgelwerk im historischen Gehäuse. Das Werk wurde im Jahre 1962 von dem Orgelbauer Gregor Hradetzky ausgeführt. Es hatte 45 Register (3.288 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Angesichts der Anfälligkeit der technischen Anlage wurde das Instrument in den Jahren 1983 bis 1985 durch das Oberösterreichische Orgelbauunternehmen Kögler generalsaniert. Das Schleifladen-Instrument hat seitdem 44 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.
www.stift-lilienfeld.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Lilienfeld" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Barmherzige Brüder Wien
Stift Admont  
Stift Altenburg  
Stift Engelszell  
Stift Fiecht-St. Georgenberg  
Stift Geras  
Stift Göttweig  
Kloster Hall in Tirol  
Stift Heiligenkreuz  
Stift Klosterneuburg  
Stift Kremsmünster  
Stift Lambach  
Kloster Lienz  
Stift Lilienfeld  
Karmel Mayerling  
Kloster Maria Luggau  
Stift Melk  
Stift Nonnberg  
Kloster Pupping  
Stift Rein  
Kloster Reutte  
Salesianerinnen Wien  
Kloster Salzburg  
Stift Schlierbach  
Kloster Schwaz in Tirol  
Abtei Seckau  
Stift Seitenstetten  
Stift Stams  
Stift St. Florian  
Kloster Telfs  
Stift Vorau  
Stift Zwettl  
Ehemalige Klöster:  
Stift Arnoldstein  
Hospiz Bad Gleichenberg  
Stift Dürnstein  
Stift Eberndorf  
Kartause Gaming  
Stift Göß  
Stift Griffen  
Stift Klein-Mariazell  
Kartause Mauerbach  
Stift Millstatt  
Stift Ossiach  
Kloster Tanzenberg  
Stift Viktring  
   
 
 
  www.gaube.at - Erhard Gaube