Stift Schlierbach
Zisterzienser Kloster
Klosterstraße 1, 4553 Schlierbach
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Schlierbach -  Ansicht aus größerer Entfernung, von Norden.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Schlierbach ist ein Kloster der Zisterzienser-Mönche (OCist) in Schlierbach in Oberösterreich. Derzeit versehen 26 Mönche teils im Kloster, teils in verschiedenen Pfarren der Umgebung ihren Dienst an den Menschen. Neben dem klösterlichen Leben wirken die Mönche auch außerhalb der Klostermauern und leiten neun Pfarren, eine Kaplanei, ein Dechanat und haben diverse weitere seelsorgerische Aufgaben inne.
Geschichte
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Schlierbach im Cremsthale.
L'abbaye de Schlierbach dans la vallée dite: Cremsthal
Runk, Ferdinand; Ziegler, Johann; Wien ;um 1810.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im 10. Jahrhundert errichtete der schwäbische Graf Zwentibold an der Stelle des heutigen Stiftes eine Burg. Diese erwarb 1352 Eberhard V. (III.) von Wallsee und stiftete 1355 darin ein Zisterzienserinnenkloster. Dieses hieß damals noch „Frauensaal“ oder „Mariensaal“. Durch Käufe, Schenkungen und Stiftungen wurde der Besitz erweitert. Eberhard überließ dem Kloster etwa die damalige Burg Steyrstein (seit etwa 1500 Wallfahrtskirche Frauenstein) und Einkünfte der von ihm 1337 erworbenen Herrschaft Pernstein. In den folgenden 200 Jahren standen 18 Äbtissinnen dem Kloster vor. Aus dieser Zeit ist nichts von Neu- oder Umbauten überliefert.
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bibliothekssaal (1672-74), axialer Durchblick aus halber Tiefe. ;um 1920.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Reformationszeit bedeutete das vorläufige Ende – bis zu 90 Prozent der Bevölkerung wechselten zeitweilig zum evangelischen Glauben. Von 1609 bis 1620 wurde Schlierbach deshalb vom Stift Kremsmünster aus verwaltet. Danach, im Zuge der Gegenreformation, genehmigte Kaiser Ferdinand II. eine Besiedelung durch Zisterziensermönche. Diese kamen aus Rein bei Graz. Der dortige Abt Mattias Gülger begann damit 1620 und sandte den Prior Wolfgang Sommer (den ersten neuen Abt) zusammen mit einigen Mönchen nach Schlierbach. Hauptsächlich sollte die Seelsorge im oberen Kremstal wieder aufgebaut werden, was vorerst noch durch Bauernaufstände erschwert wurde. Franz Keller (Abt von 1627 bis 1644) besaß jedoch bereits wieder Sitz und Stimme bei den Landständen und Abt Balthasar Rauch erhielt 1654, für sich und seine Nachfolger, die bischöflichen Insignien Mitra, Brustkreuz und Krummstab. Der geistige und wirtschaftliche Aufstieg vollzog sich nun rasch.
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bernhardisaal: Achsialer Durchblick gegen die Seite mit einer Türe.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Inzwischen war die ehemalige Burg in einem äußerst schlechten Zustand. Nivard I. Geyregger (Abt von 1660 bis 1679) begann deshalb mit einem völligen Neubau in barockem Stil. Unter seiner Leitung wurden 1674 die Westfront, 1678 die Nord- und Ostfront des Prälatenhofes und der Abteiturm fertiggestellt. Benedikt Rieger (Abt von 1679 bis 1695) beauftragte Pietro Francesco Carlone und dessen Sohn mit dem Bau der Stiftskirche (1680-1683).
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche von Schlierbach, Deckengewölbe.
Bild: Anrather, Oskar; vor 1994.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Unter Christian Stadler (Abt von 1715 bis 1740) setzte sich der wirtschaftliche Aufschwung fort. Es wurden Mühle, Sägewerk und Bäckerei eingerichtet. Damals zählte der Konvent dreißig Mönche. Josephinische Zeit und Napoleonische Kriege führten jedoch zum Niedergang; außerdem brannte der Meierhof im Jahr 1825. Ein weiterer tiefer Einschnitt war die Auflösung der Grundherrschaft, die eine völlige wirtschaftliche Neuorientierung erforderte. Für die nächsten fünfzig Jahre stand kein Abt dem Stift vor, erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts besserte sich die Lage.
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt): Einblick ins nördliche Seitenschiff.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Alois Wiesinger (1885-1955) war der erste bedeutende Vorsteher des Klosters in der Gegenwart, er regierte 1917-1955 als 14. Abt. In den Nachkriegsjahren wurden Schlosserei, Tischlerei und Gärtnerei neu ausgestattet. Neu eingerichtet wurde eine Klosterkäserei, die bald ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor wurde. Das Laienbrüderinstitut entstand 1922 wieder. Im selben Jahr nahm das Stift eine Landwirtschaftsschule auf und 1925 folgte die Gründung eines Gymnasiums, das 1932 das Öffentlichkeitsrecht erhielt.
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt): Einblick ins südliche Seitenschiff.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im Jahr 1938 geschlossen, eröffnete das Gymnasium 1946 erneut und besitzt seit 1947 wiederum Öffentlichkeitsrecht. Seit 1977 werden auch Mädchen unterrichtet.

Neben dem klösterlichen Leben wirken die Mönche auch außerhalb der Klostermauern und leiten neun Pfarren, eine Kaplanei, ein Dechanat und haben diverse weitere seelsorgerische Aufgaben inne.
Architektur
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftsauffahrt von Norden. ;vor 1932.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Schlierbach: die Stiftsanlage ist ein Hauptwerk des österreichischen Barock um 1700. Im Jahr 903 ursprünglich als Burg erbaut. Von 1355 bis 1556 war 200 Jahre ein Frauenkloster eingerichtet, danach leerstehend, ab 1620 Neubesiedelung durch Mönche aus der Abtei Seckau, Steiermark. Kunstgeschichtlich interessant ist die Renovierung durch die italienische Künstlerfamilie Carlone im 17. Jahrhundert (1672 bis 1712). Die Künstler Carlone statteten das Stift in barockem Stil reich mit Stuckaturen und Fresken neu aus:

Pietro Francesco Carlone. Baumeister
Carlo Antonio Carlone. Baumeister. (Sohn von P. F. Carlone)
Giovanni Battista Carlone. Bildhauer. Stuckateur. (Sohn von P.F. Carlone)
Giovanni Carlone. Freskomaler

Der Linzer Bildhauer Johann Baptist Wanscher verzierte Pilaster mit reichem Goldrankenwerk und Blumenstücken. Das Hochaltarbild, eine Darstellung der Himmelfahrt Mariens, stammt von Franz Werner Tamm.
Sehenswürdigkeiten
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt): Oratorium in einem Seitenschiff.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
 Stiftskirche:
erbaut von 1680 bis 1682 in barockem Stil, mit Fresken und üppiger Stuckdekoration. Orgel von Manfred Mathis (1985) mit barockem Prospekt von 1770.
Bibliothek:
1712 als kreuzförmiger Prunkraum mit Hängekuppen in barockem Stil von Carlo Antonio Carlone erbaut. Galerie auf korinthischen Holzsäulen, dem Linzer Baumeister Johann Michael Prunner zugeschrieben.
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt):
Hochaltar, fast frontal.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt):
Bernhard-Altar, Gemälde 1698
von Johann Michael Rottmayr.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung   Stift Schlierbach © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt):
Oratorium im Presbyterium.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt):
Kanzel, Ende 17. Jh.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bernardisaal:
barocker Prunksaal mit reicher Stuckverzierung an der Decke und den Wänden
Schlierbacher Madonna:
hölzerne gotische Marienstatue um 1320, befindet sich im barocken Kreuzgang. Nach der Klostertradition brachten die ersten Schwestern des damaligen Frauenklosters die Statue aus ihrer schwäbischen Heimat mit.
Käserei Schlierbach:
mit angeschlossener Schaukäserei, seit 1924
Glasmalerei-Werkstätte Schlierbach:
seit 1884, international renommierte Glasmalerei Werkstätte.
Nationale und internationale Künstler wie Margret Bilger, Josef Mikl (Gedächtniskirche in Hiroshima), Hans Plank, Rudolf Szyszkowitz, Georg Meistermann, Adi Holzer... verwirklichten hier Werke.
Margret-Bilger-Galerie:
Galerie mit Wechselausstellungen aktueller Kunst

Es werden Führungen im Stift, in den Glasmalerei-Werkstätten und in der Schaukäserei angeboten.
www.stift-schlierbach.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Schlierbach" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Barmherzige Brüder Wien
Stift Admont  
Stift Altenburg  
Stift Engelszell  
Stift Fiecht-St. Georgenberg  
Stift Geras  
Stift Göttweig  
Kloster Hall in Tirol  
Stift Heiligenkreuz  
Stift Klosterneuburg  
Stift Kremsmünster  
Stift Lambach  
Kloster Lienz  
Stift Lilienfeld  
Karmel Mayerling  
Kloster Maria Luggau  
Stift Melk  
Stift Nonnberg  
Kloster Pupping  
Stift Rein  
Kloster Reutte  
Salesianerinnen Wien  
Kloster Salzburg  
Stift Schlierbach  
Kloster Schwaz in Tirol  
Abtei Seckau  
Stift Seitenstetten  
Stift Stams  
Stift St. Florian  
Kloster Telfs  
Stift Vorau  
Stift Zwettl  
Ehemalige Klöster:  
Stift Arnoldstein  
Hospiz Bad Gleichenberg  
Stift Dürnstein  
Stift Eberndorf  
Kartause Gaming  
Stift Göß  
Stift Griffen  
Stift Klein-Mariazell  
Kartause Mauerbach  
Stift Millstatt  
Stift Ossiach  
Kloster Tanzenberg  
Stift Viktring  
   
 
 
  www.gaube.at - Erhard Gaube