Stift Vorau
Augustiner-Chorherrenstift
A-8250 Vorau
Blick auf die Stiftskirche vom äußeren Hof. Staffage. ;1898.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau liegt in der nordöstlichen Steiermark (Österreich), in der Gemeinde Vorau. Das Stift Vorau verfügt vor allem aus der Zeit des Barock über eine prunkvolle Ausstattung.
Geschichte
Kloster Vorau im Jahr 1452.
Zeichnung nach einem Gemälde im Stift. Federzeichnung in Schwarz
von Hans Dickel, signiert. Vorzeichnung zum "Kronprinzenwerk"
(Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Wien 1886-1902), Bd. "Steiermark".
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Kloster geht auf eine Gründung von Markgraf Ottokar III. von Traungau im Jahr 1163 zurück. Die ersten Augustiner-Chorherren kamen aus Salzburg und Seckau. Nach der Zerstörung des Stifts im Jahr 1237 erfolgte der schnelle Wiederaufbau. König Rudolf I. von Habsburg stellte 1277 dem Stift einen Schutzbrief aus. Ein erneuter Brand verheerte die Klostergebäude im Jahr 1384. 1452 gestattete Papst Nikolaus V. den Pröpsten von Vorau, bei feierlichen liturgischen Handlungen die Pontifikalien zu tragen. Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich III. verlieh 1453 dem Stift sein heutiges Wappen und erteilte die Erlaubnis, eine Rüstkammer einzurichten. Wegen der anhaltenden Türkengefahr veranlasste Propst Leonhard von Horn den Umbau des Stifts zu einer Klosterburg mit Wassergraben, Wehrmauer und Zugbrücke.
Stiftspfarre: Alte Ansicht des Stiftes nach 1708 unter Abt Franz Seb. Graf Webersberg.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der von 1503 bis 1505 wütenden Pest fielen in der Vorauer Pfarre 800 Menschen zum Opfer. Durch Kaiser Maximilian I. wurde dem Stift das Landgericht mit Stock und Galgen verliehen. Nach dem Tod Propst Geyers im Jahr 1542 drohte das Stift während der Reformation zu erlöschen, denn es war nur noch ein Chorherr übrig. Die Existenzkrise wurde erst 1544 mit der Ernennung eines neuen Propstes beendet. Eine erneute Pestepidemie forderte 1598 in Vorau 611 Tote. Bis 1635 wurden umfangreiche Neubauten errichtet. Für die Bevölkerung richtete Propst Matthias Singer 1651 eine Apotheke ein. Von 1660 bis 1662 erfolgte der Neubau der Stiftskirche, die alte Prälatur wurde im Zuge des Neubaus des West- und Nordtraktes 1727 abgerissen.
Pestsäule vor dem Stift gegen einen achteckigen Eckturm des selben.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Im Jahr 1736 erreichte das Chorherrenstift mit 46 Chorherren den höchsten Mitgliederstand seiner Geschichte. Das Stift richtete 1778 eine Hauptschule ein. Von 1812 bis 1817 wurde ein Gymnasium und von 1839 bis 1843 ein Privatgymnasium mit Sängerknabeninstitut geführt. Die Festungsmauern wurden 1844 abgetragen und der Wassergraben teilweise zugeschüttet, das Stift verlor dadurch seinen Burg-Charakter. Das Stift wird seit 1920 mit Elektrizität versorgt. Wegen einer finanziellen Notlage im Zuge der Weltwirtschaftskrise mussten 1924 zahlreiche Kunstschätze verkauft werden.
Hof mit einem viereckigen Eckturm. Staffage. ;1898.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Am 24. April 1945 brannten Teile des Stiftes Vorau. Sowjetische Tiefflieger bombardierten die Gegend – weder Stift noch Markt blieben verschont. Wassermangel sowie desolate Löschgeräte verhinderten eine rasche Bekämpfung des vier Tage dauernden Brandes. Vor allem das Wirtschaftsgebäude und einige Türme wurden schwer beschädigt.
 
Pestsäule vor dem Stift. Staffage.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Brunnen mit Schmiedeeisen-
Brunnenlaube im Hof.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Am 27. Mai 1945 kehrten die Chorherren aus der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren in das zerstörte Stift zurück und begannen mit dem Wiederaufbau, der erst Ende der sechziger Jahre abgeschlossen war. Von 1981 bis 1987 wurden alle Stiftsgebäude saniert, von 1995 bis 1997 erfolgte ein Erweiterungsbau für das Verwaltungsgebäude.
Stiftskirche (Hl. Thomas): Frontalansicht der Westfassade
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Vorau hat heute rund 3.400 Hektar Grundbesitz, davon sind 2.900 Hektar Wald. Daraus erwirtschaftet es den Großteil seiner Einnahmen. Das Stift Vorau ist bisher noch in der Lage seine wirtschaftlichen Aufgaben weitgehend ohne öffentliche Mittel zu bewältigen.
Stiftskirche
Stift Vorau
Marktkirche (Hl. Egydius), Blick zu Chor und Hochaltar. ;1898.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die Stiftskirche wurde 1660-1662 nach Plänen von Domenico Sciassia erbaut. Ab 1700 wurde sie durch den kaiserlichen Ingenieur Matthias Steinl im Stile des Wiener Hochbarock umgestaltet. Steinl entwarf die Kanzel, die die Lehrtätigkeit Jesu von Nazaret thematisiert und den Hochaltar der die Himmelfahrt der Maria (Mutter Jesu) darstellt. Seit 1783 ist die Stiftskirche die Pfarrkirche der Pfarre Vorau.
Bibliothek
Stift Vorau - Bibliothekssaal;1898.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Besonders bedeutend ist die Bibliothek des Stiftes. Der 1731 fertiggestellte Bibliothekssaal beherbergt etwa 17.500 Bände. Insgesamt besitzt das Stift Vorau aber über 40.000 Bände, darunter 415 Handschriften und 206 Inkunabeln. Darunter bedeutende Handschriften wie das Vorauer Evangeliar aus dem 12. Jh., die im Jahre 1467 geschriebene Vorauer Volksbibel mit über 550 Miniaturen und die Vorauer Handschrift, die umfangreichste und wichtigste der alten Sammelhandschriften mit geistlichen frühmittelhochdeutschen Dichtungen, von denen viele nirgends sonst überliefert sind. Diese enthält auch die Kaiserchronik – eine poetische Kaisergeschichte von Julius Caesar bis zum zweiten Kreuzzug.
Sakristei
Die Sakristei gilt als die künstlerische Perle des Stiftes, die ihre in den Jahren 1715 - 1716 erhaltene malerische Dekoration dem Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer verdankt und als sein Meisterwerk gelten darf. An drei Wänden ist in einfachen illusionistischen Rahmungen der Schmerzhafte Rosenkranz dargestellt. An der vierten Wand stellte er einen Höllensturz dar. Dieser zeigt, umgeben von Flammen, teuflischen Gestalten und anderen höllischen Ungeheuern, den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Hochmut, Trunksucht, Verleumdung usw. In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteils thront Christus auf einem Regenbogen. Um ihn scharen sich die Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetende Engel.
Bildungshaus
Seit 1977 betreibt das Stift ein Bildungshaus. Dieses bietet einerseits religiöse Veranstaltungen und mehrtägige Seminare an, andererseits vermietet es die Seminarräume mit Platz für bis zu 200 Personen. Das Bildungshaus wird von Propst Gerhard Rechberger geleitet.
www.stift-vorau.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stift_Vorau" der
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