Stundengebet
Gebet © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
"Dein Wort ist die Wahrheit"; Kirchenfenster.
© Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Das Stundengebet (lat. liturgia horarum), auch Offizium oder Officium divinum, Tagzeiten und Tagzeitengebet (evangelisch) genannt, ist die Antwort der Kirche auf das Apostelwort „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17 EU) und das Psalmwort „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen“ (vgl. Ps 119,62.164 EU). Die Tradition des Stundengebetes wird in der orthodoxen, der römisch-katholischen, der anglikanischen Kirche und den evangelischen Kirchen gepflegt. Das gemeinschaftlich vollzogene Stundengebet in einer Ordensgemeinschaft wird Chorgebet genannt. Sinn des Stundengebets ist es, einzelne Tageszeiten mit ihrer Besonderheit vor Gott zu bringen und zugleich das Gebet der Kirche rund um die Erde nicht abreißen zu lassen: „Betet ohne Unterlass.“ (1 Thess 5,17 EU) Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnete die „Heiligung des Tages“ als das Ziel des Stundengebetes. Das Stundengebet ist am Zyklus des Tageslaufs, dem Wechsel von Schlafen und Wachen, Licht und Dunkelheit, Arbeit und Ruhe orientiert und deutet die Zeiterfahrung als göttliche Offenbarung: „Gott sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag.“ (Gen 1,12-13 EU) So wird die zyklische Zeiterfahrung des Menschen - genauso wie die lineare Erfahrung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - in die Glaubenspraxis einbezogen. Herausgehoben sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang: „Der Übergang vom Dunkel ins Licht wird ebenso wie der Übergang vom Licht ins Dunkel zum Anlass und Inhalt für die Liturgie.“


Ihre charakteristische Prägung für die weitere Geschichte bekam die Tagzeitenliturgie der Lateinischen oder Westkirche durch die Ordensregel, die Benedikt von Nursia 529 seinem Kloster in Montecassino gab und die im Fränkischen Reich ab 800 für alle Klöster verpflichtend wurde und andere Mönchstraditionen verdrängte. Benedikt lag eine ältere Mönchsregel vor, die Regula magistri. Das benediktinische Offizium umfasst eine nächtliche Hore und sieben am Tage; der Tag wurde von Mitternacht bis Mitternacht gerechnet. Die Auswahl der Psalmen war jetzt in einem einwöchigen Rhythmus für jede Hore genau festgelegt. Jeder Psalm kam in jeder Woche mindestens einmal vor. Dabei gab es Blöcke von aufeinanderfolgenden Psalmen wie im monastischen Offizium, andere Psalmen wurden gezielt platziert oder kehrten täglich wieder. Benedikt fasste kurze Psalmen zusammen und teilte lange in Abschnitte. Neben den Psalmen kamen auch alttestamentliche Cantica vor. Jede Hore hatte seit Benedikt einen Hymnus, allerdings in den einzelnen Horen an verschiedenen Positionen. Auf das Kapitel nach den Psalmen folgte ein Responsorium, in den kleinen Horen ein Versikel. Die Hore endete mit Fürbitten – in den kleinen Horen mit dem Kyrie eleison –, dem Vaterunser und einer Oration. Die nächtliche Hore war als Vigil (Nachtwache) angelegt und die textreichste Hore. Die ersten Worte waren „Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde.“ (Ps 51,17 EU) Auf das Invitatorium – täglich mit Psalm 3 und Psalm 94 – folgten zwei Nokturnen mit je sechs Psalmen, am Sonntag eine dritte mit drei Cantica, dazu jeweils mehrere Lesungen. Die Laudes hatten sieben Psalmen und ein Canticum, sie begannen täglich mit den Psalmen 67 und 51 und schlossen mit den Lobpsalmen 148, 149 und 150. Terz, Sext und Non hatten jeweils drei Psalmen und die Vesper vier. Zur Komplet wurden täglich die drei Psalmen 4, 91 und 134 gebetet. Zur Laudes gehörte bereits das Benedictus, zur Vesper das Magnificat. Das im Kathedraloffizium bedeutsame Luzernar floss nicht in die benediktinische Ordnung ein. Die Vesper hieß in der Regula magistri zwar noch lucernarium, hatte aber keinen Lichtritus mehr. Die Vesper war auch nicht mehr das Abendgebet der Mönche, da nach dieser Hore das Abendessen und nötige Arbeiten stattfanden. So entstand die Komplet als das Gebet vor dem Schlafengehen. Sie endete in der Regula magistri mit dem Vers „Herr, stell eine Wache vor meinen Mund, eine Wehr vor das Tor meiner Lippen.“ (Ps 141,3 EU). In der lateinischen Kirche lebte das Stundengebet wegen seines Umfangs und wegen des verpflichtenden Vollzugs auf Latein bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil fast nur noch als Standesgebet der Ordensleute und Kleriker („Breviergebet“) fort. Im 16. Jahrhundert war für einige Jahrzehnte ein Kreuzbrevier in Gebrauch, das besonders auf das Beten des einzelnen Klerikers zugeschnitten war. Papst Pius V. verbot es mit der Einführung des Breviarium Romanum 1568, doch beeinflusste es stark das anglikanische Book of Common Prayer. Eine gründliche Brevierreform nahm Papst Pius X. 1911 vor. Für Laien – auch die des Lesens und der lateinischen Sprache unkundigen Laienbrüder und Konversen in den Klöstern sowie die Schwestern in in der Neuzeit entstandenen karitativ tätigen Schwesternkongregationen – bildeten sich Ersatzformen, etwa das Officium beatae Mariae virginis, das bis zu dreimal tägliche Beten des Rosenkranzes mit dann 150 mal wiederholtem Ave Maria oder das Beten des Angelus morgens, mittags und abends. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde mit der Inkraftsetzung der Editio typica Liturgia Horarum iuxta ritum Romanum durch die Apostolische Konstitution Laudis Canticum am 1. November 1970 der Umfang des Stundengebetes in der katholischen Kirche erheblich reduziert. So werden heute oft fünf bis sechs Gebetszeiten (Laudes, nach Wahl eine der kleinen Horen, Vesper, Komplet und die Lesehore) gebetet und die Psalmen (mit wenigen Auslassungen, etwa der sogenannten Fluchpsalmen) im römischen Stundenbuch über einen Zyklus von vier Wochen verteilt (Vierwochenpsalter). Außerdem kann das Stundengebet in der Landessprache gefeiert werden.
Gebet © Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Gebet in der Kirche.
© Pixabay - Lizenz: CC0 Public Domain
Zur Abfolge der Gebetszeiten sei zunächst angemerkt, dass sich die Einteilung nach der antiken Zeitrechnung richtet. Der Tag war damals die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; er wurde in zwölf gleich lange Stunden eingeteilt. Wie lang eine solche Stunde war, hing von der Länge der Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ab, war damit also sowohl regional verschieden als auch zu den einzelnen Jahreszeiten unterschiedlich. Als ungefähre Umrechnung in unsere heutige Zeiteinteilung kann die erste Stunde des Tages auf etwa 6 Uhr angesetzt werden.

In der katholischen Kirche ist das Stundengebet das Gebet der Kirche, zu dessen Vollzug alle Priester, Diakone, die geweihten Jungfrauen, die Eremiten und die Ordensleute verpflichtet sind. Sie beten das Stundengebet nicht nur zur persönlichen Tagesheiligung, sondern auch stellvertretend für die ihnen anvertrauten Gläubigen und vollziehen damit einen liturgischen Dienst. Ständige Diakone sind formal nur zum Gebet von Laudes und Vesper verpflichtet. Auch alle übrigen Gläubigen sind zum Vollzug eingeladen, je nach ihren Lebensumständen. Beim gemeinschaftlichen Vollzug können die Psalmen und sonstigen Texte gesungen (Psalmodie) oder gesprochen werden. In manchen monastischen Gemeinschaften (besonders in Bayern und Österreich) ist auch das Rezitieren der Psalmen im Tonus rectus gebräuchlich. Der Vollzug geschieht im Stehen, bei der Psalmodie und den Lesungen sitzen alle mit Ausnahme des Lektors. Beim Beginn jeder Hore bekreuzigt man sich gewöhnlich, beim Gloria Patri, mit dem Psalmen und Cantica schließen, verneigt man sich. Die acht ursprünglichen Gebetszeiten wurden auf sieben, mancherorts auch fünf verkürzt. In der katholischen Kirche vereinheitlichte man nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch den Ablauf der einzelnen Horen, der ursprünglich vor allem zwischen den sogenannten kleinen und großen Horen beträchtliche Unterschiede aufwies.
Invitatorium:
(lat.: „Einladung“)
Das Invitatorium steht als Eröffnung stets vor der ersten Gebetszeit (Matutin bzw. Vigil, Lesehore oder Laudes) eines Tages. Es besteht aus dem Ruf „V/ Herr, öffne meine Lippen. R/ Damit mein Mund dein Lob verkünde.“ sowie dem responsorisch vorgetragenen Psalm 95 („Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn und zujauchzen dem Fels unseres Heiles“). Dieser Psalm kann auch durch Ps 24, Ps 67 oder Ps 100 ersetzt werden.
Lesehore:
Sie kann zu jeder Tageszeit gefeiert werden und dient im Wesentlichen der geistlichen Vertiefung der Heiligen Schrift sowie der theologischen Überlieferung. Daher stehen diese Lesungen auch im Mittelpunkt; bei der theologischen Überlieferung wird meist auf die sogenannten Väterlesungen zurückgegriffen, auf Werke früher Kirchenväter. Die Lesehore kann zur Vigil erweitert werden, aus der sie historisch erwachsen ist:
Vigil:
(lat.: „Wache“)
Die Vigil, auch Matutin (eingedeutscht „Mette“) genannt, ist die erste Gebetszeit des liturgischen Tages. Sie wird in der Nacht oder am frühen Morgen verrichtet, in manchen Ordensgemeinschaften auch am Vorabend. Am Hochfest der Geburt des Herrn (Christmette) und dem Hochfest der Auferstehung des Herrn (Osternacht) wird die Vigil als Nachtwache gehalten. Die Osternacht ist für die Kirche die „Mutter aller Vigilien“. In der Benediktsregel wird als Beginn der Vigil die achte Stunde der Nacht genannt (vgl. ebd. Kap. 8), was etwa 2 Uhr entspricht. Nach der Eröffnung Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde wird ein Psalm als Gebetseinladung (Invitatorium) gebetet, gefolgt von einem Hymnus. Hieran schließen zwei (oder drei) Nokturnen an. Jede Nokturn besteht aus mehreren Psalmen und einer anschließenden längeren Lesung. Die Lesung der ersten Nokturn ist der Heiligen Schrift entnommen, die der zweiten Nokturn geistlicher Literatur, vor allem den Kirchenvätern. An Sonntagen und Hochfesten schließt sich eine dritte Nokturn an, in der statt Psalmen biblische Cantica gesungen werden. Im Anschluss wird das Evangelium des Sonntags oder Hochfestes vorgetragen und das Te Deum gesungen. Den Abschluss der Matutin bildet das Tagesgebet. Die vollständige Vigil wird heute nur noch von einigen monastischen Orden gebetet. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils kann, je nach den Lebensumständen des Beters, die Lesehore, die zu einem beliebigen Zeitpunkt des Tages gebetet werden kann, an die Stelle der Vigil treten.
Laudes:
(vollständige Bezeichnung: laudes matutinae ‚morgendliche Lobgesänge‘)
Die Laudes werden bei Tagesanbruch, üblicherweise zwischen 6 Uhr und 8 Uhr morgens, gehalten, da die aufgehende Sonne ein Symbol für Christus ist, dem mit den Laudes Lob dargebracht wird. Sie bestehen aus Eröffnung, Hymnus, Morgen- und Lob-Psalmen, alttestamentlichem Canticum, Schriftlesung (Kapitel), Responsorium, Benedictus, Bitten, Vater unser, Tagesgebet und Segen. In den Bitten der Laudes wird in besonderer Weise für das gute Gelingen und die Heiligung des neuen Tages gebetet.
Prim, Terz, Sext, Non:
(kleine Horen)
Im Laufe des Tages soll die Arbeit drei Mal von den sogenannten kleinen Horen unterbrochen werden: zur dritten Stunde (ca. 9 Uhr) von der Terz, zur sechsten Stunde (ca. 12 Uhr) von der Sext und zur neunten Stunde, der überlieferten Todesstunde Christi (ca. 15 Uhr), von der Non. Früher wurde außerdem zur ersten Stunde, meist unmittelbar vor den Laudes, noch die Prim gebetet. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Prim jedoch als inhaltliche Doppelung zu den Laudes abgeschafft. Nur noch im Stundengebet der Kartäuser sowie einzelner kontemplativer Klöster ist die Prim erhalten geblieben. Im Stundengebet vieler Orden werden Terz, Sext und Non heutzutage zu einer Tageshore zusammengefasst.
Vesper:
Vesper und Laudes bilden die Angelpunkte des Stundengebetes. Die Vesper besteht aus Eröffnung, Hymnus, Psalmen, neutestamentlichem Canticum, Schriftlesung (Kapitel), Responsorium, Magnificat, Fürbitten, Vater unser, Tagesgebet und Segen. Ist die Vesper die letzte Hore des Tages, die in Gemeinschaft gebetet wird, folgt meist die marianische Antiphon. Mit der Vesper endet die Arbeit des Tages. Jeder Sonntag und jedes Hochfest (Ausnahme Ostern) beginnt am Vorabend mit der ersten Vesper, die die liturgische Eröffnung des Sonntages oder Hochfestes darstellt. Die Vesper am Abend des Festes oder Sonntages wird entsprechend zweite Vesper genannt.
Komplet:
Die Komplet ist das Nachtgebet, mit dem der Tag beendet wird. Ihr geht in der Regel eine Gewissenserforschung mit dem nachfolgenden Schuldbekenntnis voraus. Die Komplet besteht aus dem Hymnus, Psalmen (traditionell die Psalmen 4 EU, 134 EU und 91 EU), der Kurzlesung (Kapitel), dem neutestamentlichen Gesang Nunc dimittis (Lk 2,29-32 EU), der Oration und dem Segen für die Nacht. Danach gilt in den monastischen Orden bis zum Morgen das nächtliche Stillschweigen.
Bei der feierlichen Form von Laudes und Vesper kann bei Benedictus und Magnificat der Altar inzensiert werden. Das Katholische Gebet- und Gesangbuch Gotteslob bietet unter den Nummern 613 bis 667 vor allem mehrere zum Singen eingerichtete Vorlagen und Elemente für Laudes und Vesper zu verschiedenen Festzeiten des Kirchenjahres, eine Totenvesper, ein Abendlob mit Luzernar und die Komplet mit den traditionellen Kompletpsalmen sowie den Marianischen Antiphonen. Unter den Nummern 31 bis 80 finden sich weitere Psalmen, die beim gemeindlichen Tagzeitengebet verwendet werden können.
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Stundengebet" der
WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie
und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz
für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
de.wikipedia.org
Index/Startseite
Orden Übersicht  
Klöster, Stifte u. Abteien
Klostergeschichten  
Kirchen in Österreich  
Geschichte  
Zeittafel
Heilige und Selige  
Fest- und Feiertage  
Gebet und Kirche  
Neue Inhalte  
 
Gebete  
Rosenkranz  
Barmherzigenrosenkranz  
Ave Maria  
Angelus  
Marianische Antiphon  
Lauretanische Litanei  
Fatima-Gebet  
Gloria Patri  
Glaubensbekenntnis  
Vaterunser  
Stundengebet  
Komplet  
Magnificat  
Benedictus  
Tischgebete  
Exerzitien  
Wundertätige Medaille  
Gebetsweisen Dominikus  
Jakobsweg  
Lourdes  
Fátima  
Gottesdienst  
Heilige Messe  
Eucharistische Anbetung  
Stunde der Barmherzigkeit  
Eucharistie  
Taufe  
Erstkommunion  
Firmung  
Sakramentale  
Krankensalbung  
Ministrant  
Diakon  
Liturg. Gewänder  
Christliche Symbole
Schott - Tagesliturgie
Klostergeschichten auf Facebook  
Radio Maria  
Radio Stephansdom  
DOMBUCHHANDLUNG FACULTAS - WIEN  
 
  www.gaube.at - Erhard Gaube
 
design by gaube