Virgilkapelle
auch Virgiliuskapelle
Stephansplatz (U-Bahnstation Stephansplatz), 1010 Wien
Virgilkapelle
Das bemalte byzantinischem Radkreuz der unterirdischen Virgilkapelle.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Virgilkapelle, eine unterirdische Gruft neben dem Stephansdom in Wien, ist eine Krypta von rechteckiger Form (etwa 6 m × 10 m) mit sechs Nischen. Sie liegt heute etwa zwölf Meter unter dem Niveau des Stephansplatzes. Der Wiener Stephansplatz ist das Zentrum der österreichischen Bundeshauptstadt. In seiner Mitte steht der Stephansdom. Das südwestliche Eck des Stephansplatzes und das östliche Ende des stumpf einmündenden Grabens, sowie das nördliche Ende der Kärntner Straße werden durch den Stock-im-Eisen-Platz, das nordöstliche Eck ist mit dem Beginn der Rotenturmstraße und der Brandstätte verbunden. Die westliche Ecke wird vom Beginn der Schulerstraße begrenzt, im Südosten mündet neben dem Erzbischöflichen Churhaus die Churhausgasse ein.
Geschichte
Virgilkapelle
Eine der sechs Apsiden der Virgilkapelle.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Die Geschichte der Kapelle ist nicht ganz klar: Ihre Architektur lässt sich auf das frühere 13. Jahrhundert datieren. Zu dieser Zeit war der letzte Herzog aus dem Hause Babenberg, Friedrich der Streitbare (1230–1246), Herr von Wien. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass der Herzog, der Wien gerne als Bistum gesehen hätte, eine Krypta für den heiligen Koloman als damaligen Schutzpatron der gewünschten Diözese errichten ließ. Die Achsen der Kapelle sind nach dem Sonnenstand am Namenstag des Heiligen ausgerichtet. Die Chroniken erwähnen den Bau jedenfalls nicht, was zu der Vermutung Anlass gibt, dass es sich um ein wie auch immer gescheitertes Projekt handelte.
Virgilkapelle
Die Virgilkapelle.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Spätestens um 1300 war es zu wichtigen Baumaßnahmen an der Kapelle gekommen. Im hinteren Bereich wurde jenes Gewölbe eingezogen, das heute noch sichtbar ist. Das über der Virgilkapelle entstandene Geschoß, das nur wenig unter Bodenniveau lag und vom Stephansfreithof aus zugänglich war, diente zunächst als Karner, d.h. es wurden die Gebeine aus den aufgelassenen Gräbern des Stephansfriedhofs verwahrt.
Virgilkapelle
Nennung der Virgilkapelle als Besitz der Familie Chrannest.
Urkunde des Andre Chrannest, Kaplan an der Virgilkapelle, vom 2. Februar 1340.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
1486 schlossen Bürgermeister und Rat der Stadt Wien mit dem Deutschen Orden einen Vertrag, der die Nutzung eines Kellers des Deutschordenshauses, das an den Stephansfreithof grenzte, als Karner erlaubte. Der Karner ober der Virgilkapelle wurde in der Folge wohl aufgelassen und diente ab da der Gottleichnamsbruderschaft als Andachts- und Versammlungsort. 1589 ist dort der Gottesleichnamsaltar explizit genannt. Über Virgilkapelle und Karner wurde im 14. Jahrhundert die Maria-Magdalena-Kapelle errichtet, der Sitz der Schreiberzeche. Die Virgilkapelle lag genau unter dieser Kapelle. Ein Schacht führte nach oben in die Magdalenskapelle.
Virgilkapelle
Das Kreuzgewölbe der Virgilkapelle.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Im Jahre 1732 wurde der Friedhof um den Dom aufgelassen. Die Magdalenskapelle brannte im Jahr 1781 ab und wurde nicht wieder aufgebaut (vermutlich weil es ohne Friedhof keinen Bedarf für eine Friedhofskapelle gab). Die Virgilkapelle wurde zugeschüttet und geriet in Vergessenheit.
Virgilkapelle
Eine der sechs Apsiden der Virgilkapelle.
Quelle: www.wienmuseum.at - Kollektiv Fischka/Kramar
Im Jahr 1972 wurde im Zuge der Arbeiten an der Wiener U-Bahn die Kapelle wiederentdeckt. Der Innenraum war verfüllt. Nach dem Entfernen des Materials präsentiert sich die Kapelle heute in einem guten Zustand, die Westwand fiel allerdings dem U-Bahn-Bau zum Opfer. Die Virgilkapelle hatte ursprünglich weder Türen noch Fenster und war nur von oben über Leitern zugänglich. Durch das Entfernen der Westwand kann sie nun bequem erreicht werden; als Konsequenz wurde die Kapelle in die U-Bahn-Station Stephansplatz integriert.
Virgilkapelle
Zisterne im Boden der Kapelle.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Am Stephansplatz wurde mit farbigen Steinen der Grundriss von Virgilkapelle und Magdalenskapelle nachgebildet. Die Virgilkapelle ist heute eine Außenstelle des Wien Museums. Sie ist unterirdisch von der U-Bahn-Station Stephansplatz zugänglich. Durch ein Fenster im Verteilergeschoss ist ein Blick in den Oberteil der Kapelle möglich. Weiters wurde im Tiefengeschoss der U3-Station (Fahrtrichtung Simmering) ein Gang angelegt, der zum Erdgeschoß der Virgilkapelle führt.
Virgilkapelle
Die Umrisse der Virgilkapelle am Stephansplatz.
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Nach dem Einbau eines halb unter der Erde befindlichen Zwischengeschoßes standen die Kapelle und die tiefer liegenden Räumlichkeiten ab dem frühen 14. Jahrhundert für ganz unterschiedliche Nutzungen bereit. Der ursprüngliche Bau, die heute sichtbare Virgilkapelle, diente einer reichen Wiener Kaufmannsfamilie als Andachtskapelle, unter anderem wurde sie mit einem Altar für den hl. Virgil ausgestattet. Für das Zwischengeschoss ist eine Nutzung als „Neuer Karner“ (Beinhaus) belegt. Die Maria-Magdalenenkapelle selbst wurde als Friedhofskapelle genutzt, während ihre Empore Versammlungen der „Schreiberzeche“ (der Bruderschaft aller Schreiber) Raum bot.
Virgilkapelle
Ausstellung zum mittelalterlichen Wien des Wien Museum.
Quelle: www.wienmuseum.at - Kollektiv Fischka/Kramar
Aus konservatorischen Gründen musste die Außenstelle des Wien Museums vor einigen Jahren geschlossen werden. Nach umfassenden Restaurierungsmaßnahmen wird die Virgilkapelle Ende 2015 nun wieder eröffnet. Ein neu gestalteter, besucherfreundlicher Eingang auf Ebene der U-Bahn-Passage wird diesen faszinierenden Sakralraum adäquat erschließen, eine kompakte Ausstellung bietet einen historischen Abriss zum mittelalterlichen Wien. Mit der Wiedereröffnung der Virgilkapelle ist das Wien Museum wieder mitten im Herzen der Stadt präsent.
www.wienmuseum.at/virgilkapelle
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Virgilkapelle" der
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