Zentralfriedhof Wien
 330.000 Grabstellen auf 2,5 km²
Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien
Zentralfriedhof Wien © www.klostergeschichten.at / Erhard Gaube
Zentralfriedof Wien mit der Karl-Borromäus-Kirche.
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Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast 2,5 km² und rund 330.000 Grabstellen zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Er gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke und des weitläufigen Areals zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Wien.
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Zentralfriedof Wien
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Der Zentralfriedhof liegt – im Widerspruch zu seinem Namen – am südöstlichen Stadtrand, im 1892 eingemeindeten Simmering, das zum Zeitpunkt des Baus noch nicht zum Stadtgebiet gehörte. Er erfüllt jedoch nach wie vor als größte Wiener Begräbnisstätte eine zentrale Funktion, nicht zuletzt, da die Preise für die Grabstellennutzung auf dem Zentralfriedhof erheblich günstiger sind als auf den anderen, stärker nachgefragten und beengteren Wiener Friedhöfen.
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Zentralfriedof Wien - Blumen- und Kerzenstände beim Tor 1.
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Die Simmeringer Hauptstraße, wichtigste Verkehrsader Simmerings, vor dem Bau der Autobahn mit dem ihr vorgelagerten Rennweg direkte Zufahrt vom Stadtzentrum zum Flughafen Wien und Teil der historischen Fernstraße nach Budapest, führt direkt zum Zentralfriedhof und trägt somit maßgeblich zu dessen Erreichbarkeit bei. Je mehr man sich dem Friedhof nähert, umso dichter werden die Steinmetzbetriebe, Blumengeschäfte und andere Betriebe, die mit dem laufenden Friedhofsbetrieb in Verbindung stehen.
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Zentralfriedof Wien - Haupteingang, Tor 2.
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Obwohl der Friedhof zwischen dieser stark befahrenen Straße und der Trasse der Flughafenschnellbahn gelegen ist, bleibt allein durch die Weitläufigkeit des Areals der überwiegende Teil der Anlage von Verkehrslärm verschont. Allerdings führt eine in geringer Höhe direkt über den Zentralfriedhof verlaufende Flugroute des südöstlich von Wien gelegenen Flughafens zu Beeinträchtigungen der Friedhofsruhe.
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Zentralfriedof Wien - Blumen- und Kerzenstände beim Tor 2.
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Der Zentralfriedhof in seiner heutigen Form besteht einerseits aus dem interkonfessionellen „Hauptfriedhof“, der jedem Verstorbenen, ungeachtet der Glaubensrichtung, als letzte Ruhestätte zur Verfügung steht, andererseits aus den verschiedenen konfessionellen Friedhöfen und Abteilungen.
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Zentralfriedof Wien - Jüdischer Friedhof
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Der überwiegende Teil des Hauptfriedhofs besteht seit jeher aus katholischen Gräbern. Darüber hinaus bestehen mittlerweile Abteilungen und Friedhöfe folgender weiterer Konfessionen:
buddhistisch
evangelisch
islamisch
(alte, neue und islamisch-ägyptische Abteilung)
jüdisch
(alter und neuer Friedhof)
orthodox
(russisch, griechisch, rumänisch, etc.)
mormonisch
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Zentralfriedof Wien
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Auch nach den verschiedenen Erweiterungen macht der Hauptfriedhof sowohl nach Fläche als auch nach Anzahl der Grabstätten mit Abstand den größten Teil des gesamten Friedhofsareals aus. Während der evangelische und neue jüdische Friedhof räumlich klar abgegrenzt sind und über eigene Eingangsportale an der Außenmauer verfügen, bestehen die vergleichsweise kleinen orthodoxen und islamischen Abteilungen, der mormonische und der buddhistische Friedhof wie Enklaven an verschiedenen Stellen innerhalb des interkonfessionellen Teils des Friedhofsgeländes.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der „Zentralfriedhof“ sowohl mit dem gesamten Friedhofsareal, als auch dem interkonfessionellen Hauptfriedhof gleichgesetzt, weshalb im Gegensatz zu den konfessionellen Friedhöfen und Abteilungen für den Hauptfriedhof keine Bezeichnungen wie „katholischer Friedhof“ oder „katholische Abteilung“ üblich sind.
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Zentralfriedof Wien
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Der Zentralfriedhof zählt zum östlichen Grüngürtel von Wien. Aufgrund seiner Größe und des zum Teil dichten Baumbestandes beherbergt er eine vielfältige Fauna. Am häufigsten zu beobachten sind die vielen Eichhörnchen, die von den Wienern „Hansi“ genannt werden und vergleichsweise zutraulich sind, da sie von Friedhofsbesuchern oft mit Nüssen gefüttert werden. Weniger bekannt sind die größten „tierischen Bewohner“ des Friedhofs, rund 20 Rehe, die vorzugsweise auf dem Areal des alten jüdischen Friedhofs anzutreffen sind, nicht zuletzt wegen der dort um die alten Grabsteine wachsenden immergrünen Pflanzen, die vor allem in den kälteren Jahreszeiten eine verlässliche Futterquelle sind. Darüber hinaus bietet der Zentralfriedhof Lebensraum für Turmfalken, Feldhamster, Dachse, Marder, Frösche und andere Kleintiere.
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Bis Mitte der 1980er Jahre war das Friedhofsgelände sogar offizielles Jagdgebiet und der Wildbestand wurde durch einen von der Forstverwaltung eingesetzten Jäger kontrolliert. Heutzutage wird versucht, das ökologische Gleichgewicht auch ohne Einsatz von Gewehren zu bewahren, u. a. durch die Umweltschutzabteilung der Stadt Wien, die mit ihrem Arten- und Lebensraumschutzprogramm Netzwerk Natur dafür sorgt, dass abgesehen von den gepflegten Alleen und Gräberreihen auch verwilderte, naturnahe Bereiche erhalten bleiben.
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Zentralfriedof Wien
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Der Zentralfriedhof ist auf zuvor unbebautem Gebiet entstanden, weshalb seine Architekten große Freiräume bei der Gestaltung hatten. Er zeichnet sich bereits im Grundriss durch sehr klare, von Menschenhand sorgfältig geplante Strukturen aus, insbesondere in der Anordnung der Gräber und Friedhofsstrecken. Die parallel und normal zum Haupttor angelegten Wege ergeben hier ein funktionales rechtwinkliges Raster. Zusätzlich führen vom Haupttor zwei ca. in 45° diagonal angelegte Hauptwege in das Gelände hinein, zu denen weitere Parallelen existieren.
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Zentralfriedof Wien
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 Das erste Augenmerk bei der Ankunft gilt dem unübersehbaren Haupttorbereich. Er wurde 1905 nach Entwürfen von Max Hegele, einem Schüler von Victor Luntz und Karl von Hasenauer, erbaut und umfasst die Portalanlage selbst sowie die beiden Aufbahrungshallen 1 und 2 links und rechts davon. Aus praktischen Gründen stellten sie die frühesten Baumaßnahmen des Hegele-Konzepts dar.
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Zentralfriedof Wien - Karl-Borromäus-Kirche.
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Das schöpferische und geographische Zentrum des Geländes ist jedoch unzweifelhaft die von Hegele entworfene Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus, auf die man direkt vom Haupttor aus zusteuert. Von 1908 bis 1910 errichtet, zählt sie heute zu den bedeutendsten Jugendstil-Kirchenbauten. Glasfenster und Wandmosaike stammen von Leopold Forstner, der nach seinen Entwürfen in den Kuppelpendentifs die vier Evangelisten darstellte und die Eingangsbereiche zu den Seitenkapellen gestaltete.
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Zentralfriedof Wien- Karl-Borromäus-Kirche.
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Unter dem Hauptaltar befindet sich die Gruft des 1910 verstorbenen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, der 1908 den Grundstein für die Kirche gelegt hatte, weshalb die Kirche auch unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche bekannt ist. Von 1995 bis 2000 wurde die Kirche einer Generalsanierung unterzogen, da der „Zahn der Zeit“ außen wie innen zum Teil erhebliche Schäden hinterließ; unter anderem wurde die Innenkuppel, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Rekonstruktion des von einer Fliegerbombe zerstörten Daches nur notdürftig restauriert worden war, originalgetreu wiederhergestellt.
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Zentralfriedof Wien
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Teil des Hegele-Konzepts waren auch die zu beiden Seiten der Kirche gelegenen Gruftanlagen – die Neuen Arkaden, die noch vor Baubeginn der Kirche in den Jahren 1905 bis 1907 errichtet wurden. Sie beinhalten 70 Arkadengrüfte, zwei Mausoleen und 768 Kolumbarnischen, in denen nicht – wie mancher vermuten würde – Aschenurnen, sondern Särge untergebracht sind.
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Zentralfriedof Wien - Ehrengrab von Julius Raab.
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Die zwischen der Friedhofskirche und dem 2. Tor gelegenen Alten Arkaden – ein Ziegelbau im Neo-Renaissance-Stil – mit 36 Arkadengrüften wurden bereits früher errichtet. Sie dienen vorwiegend als Grabanlage für Familien aus dem Bürgertum der Ringstrassenzeit. 1879 wurde der Baubeschluss gefasst, 1881 war die Anlage fertiggestellt. Die rasche Fertigstellung geht wahrscheinlich auf die Tatsache zurück, dass der Bau ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wurde.[36]
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Zentralfriedof Wien - Präsidentengruft vor der Karl-Borromäus-Kirche.
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Baulich bemerkenswert sind im Zusammenhang mit dem Areal rund um die Borromäus-Kirche auch die diese umgebenden Gräbergruppen- und Wegeanordnungen. Im Grundriss lässt sich um das Gebetshaus herum nämlich eine üppige Kreuzform erkennen. Diese optische Hervorhebung im flächendeckend dominierenden Kachelmuster wurde einerseits durch halbkreisförmige Wege als Hauptkonturen erreicht, andererseits auch durch eine wesentlich engere Rasterung der Gräbergruppen innerhalb dieser Konturen. Das gedachte Kreuz ist längssymmetrisch, sein Fuß geht elegant in den Haupttorbereich über.
Zentralfriedof Wien - Präsidentengruft © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zentralfriedof Wien - Präsidentengruft vor der Karl-Borromäus-Kirche,
Blick gegen das Haupttor 1952.
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Durch das lange Bestehen des Friedhofs kamen mit der Zeit noch einige weitere architektonisch interessante Einrichtungen unterschiedlicher Art hinzu.

Die Feuerhalle Simmering wurde von 1921 bis 1922 nach Plänen des Architekten Clemens Holzmeister als erstes österreichisches Krematorium in einem expressionistischen Stil mit orientalischen Einflüssen errichtet. Holzmeister errang bei dem Gestaltungswettbewerb zwar nur den dritten Platz (es siegte ein Entwurf von Josef Hoffmann), wurde aber dennoch mit dem Bau beauftragt, da sein Konzept das auf demselben Areal bestehende Schloss Neugebäude besser mit einbezog.
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Zentralfriedof Wien
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Für Holzmeister bedeutete dieser Auftrag seinen Durchbruch als Architekt, und nach Fertigstellung des Krematoriums wurde er zur Leitung einer Architekturklasse an die Wiener Akademie der bildenden Künste berufen. Fast ein halbes Jahrhundert später, von 1965 bis 1969, war es erneut Holzmeister, der einige Erweiterungen und Umbauten vornahm, unter anderem kamen neue Zeremonienhallen dazu und die 1927 von Anton Kolig gestalteten Fresken wurden in den Kuppelraum verlegt.
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Zentralfriedof Wien - Die Kolumbarien.
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In den 1920er Jahren wurde auch noch eine weitere, dritte Aufbahrungshalle am Friedhofsgelände errichtet, allerdings weder von Hegele noch von Holzmeister. Es war Karl Ehn, ein weiterer Schüler Otto Wagners, der diese entwarf und für ihre Fertigstellung 1924 sorgte. Sie liegt weit im Inneren des Friedhofsgeländes, genau am Ende der links vom Haupttor wegführenden Diagonalachse, ist dadurch anders als die Hallen beim Haupttor nur eine Gruppe weit vom Ehrenhain entfernt.
Geschichte
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zentralfriedof Wien - Haupteingang um 1930
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Die 1784 von Kaiser Joseph II. verfügten „Josephinischen Reformen“ hatten nachhaltige Auswirkungen auf das Wiener Bestattungswesen. Friedhöfe innerhalb des Linienwalls, was dem heutigen Gürtel entspricht, mussten aufgelassen werden. Stattdessen wurden fünf „Communale Friedhöfe“ außerhalb der Linien errichtet, der Sankt Marxer Friedhof, der Hundsturmer Friedhof, der Matzleinsdorfer Friedhof, der Währinger Friedhof und der Schmelzer Friedhof.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zentralfriedof Wien - Flugbild der Gesamtanlage von Nordnordosten um 1930.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Darüber hinaus sollten die Bestattungen selbst möglichst sparsam und funktionell gestaltet werden, Schachtgräber und mehrfach verwendbare Klappsärge sind nur zwei Beispiele für diese kaiserlich verordneten Sparmaßnahmen. Einige dieser Reformen mussten aufgrund zu großen Widerstands in der Bevölkerung wieder zurückgenommen werden, das Prinzip der aus der Stadt verbannten, „communalen Friedhöfe“ blieb jedoch.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Feuerhalle Simmering.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Einwohnerzahl Wiens – und somit auch die Zahl der Toten – stetig wuchs, war bereits abzusehen, dass die „communalen Friedhöfe“ in den Vororten an die Grenzen ihrer Auslastungskapazitäten stoßen würden. Außerdem gab es im Sinne einer expandierenden Stadtentwicklung das Bestreben, diese Friedhöfe möglichst bald aufzulassen.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Feuerhalle Simmering - 8. April 1965 - Aufbahrung des Sarges vor dem Krematorium. Trauergäste stehen mit gesenkten Fahnen davor. Kirchweger wurde bei einer Demonstration gegen Professor Borodajkewycz und dessen neonazistischen und antisemitischen Äußerungen getötet.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
1863 beschloss der Wiener Gemeinderat die Errichtung eines Zentralfriedhofs, weit außerhalb der Stadt, der so großflächig sein sollte, dass seine Aufnahmekapazitäten nie oder zumindest erst in ferner Zukunft ihre Grenzen erreichen sollten. Gleichzeitig wurde die bisherige alleinige Zuständigkeit der Kirche für Begräbnisstätten aufgehoben, damit war der Weg geebnet für einen von der Gemeinde verwalteten (und auch finanzierten) Friedhof.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zentralfriedof Wien
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Bei der Planung der Größe des Friedhofsgeländes wurde angesichts des starken städtischen Wachstums und der damaligen Ausdehnung des Kaisertums Österreich davon ausgegangen, dass sich die Haupt- und Residenzstadt Wien bis Ende des 20. Jahrhunderts zu einer Metropole mit rund vier Millionen Einwohnern entwickeln würde. Auf der Suche nach einem geeigneten Areal kamen Grundstücke in Kaiserebersdorf, Rannersdorf, Himberg, Pellendorf und Gutenhof in die engere Auswahl. Aufgrund einer vom Wiener Gemeinderat bei der „k.k. geologischen Reichsanstalt“ in Auftrag gegebenen Studie wurde diese Auswahl auf die Grundstücke in Kaiserebersdorf und Rannersdorf eingeengt, da diese beiden Gebiete über eine für einen Friedhof ideale Bodenbeschaffenheit und ebene Lage verfügen.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zentralfriedof Wien - Aufbahrungshalle 3. Erweiterungsbau 1936. Inneres.
Durchblick entlang der Aufbahrungs-Abteile; nach 1936.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Der Geologe Dionýs Stur verwies in dieser Studie auf die günstigen Eigenschaften des dort vorhandenen Lössbodens, da ein solcher auf den Verwesungsprozess von Leichen im Vergleich zu anderen Bodenarten beschleunigend wirkt und zudem die Gefahr der „Ausbreitung und Verschleppung epidemischer Krankheiten aus dem Friedhof“ geringer sei. Weiters wurde auf den Umstand hingewiesen, dass Lössboden bequem zu bearbeiten ist und somit der Aushub von Gräbern schneller durchführbar sei und überdies eine geringere Einsturzgefahr der Grabwände bestünde.
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Zentralfriedof Wien - Blumen- und Kerzenstände beim Tor 1.
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Die Entscheidung fiel letztlich zugunsten Kaiserebersdorfs. 1869 wurde vom Gemeinderat der Erwerb eines Grundstücks in Kaiserebersdorf und zweier kleiner Gründe in Simmering genehmigt. 1870 wurde eine Ausschreibung über die Gestaltung des Friedhofs durchgeführt, bei der die Entwürfe des Frankfurter Architektenteams Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli die Jury überzeugten, und nach nur drei Jahren Bauzeit (1871 bis 1874) war Wiens neue „Totenstadt“ errichtet. Allerdings musste bereits 1872 der Sankt Marxer Friedhof für weitere Beerdigungen gesperrt werden, und auch auf den anderen communalen Friedhöfen wurde der Platz knapp, weshalb schon rund ein Jahr vor der Eröffnung ein Teil des Geländes als provisorischer Friedhof ausgestaltet wurde.
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Zentralfriedof Wien
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Bereits 1863, als vom Wiener Gemeinderat der Beschluss über die Errichtung des Zentralfriedhofs gefasst wurde, war darin sowohl der interkonfessionelle Charakter des Friedhofs festgelegt, als auch die Möglichkeit, einzelnen Glaubensgemeinschaften auf deren Wunsch eigene Abteilungen zu überlassen. Im Oktober 1874, rund zwei Wochen vor der Eröffnung, wurde in einem neuerlichen Gemeinderatsbeschluss sogar die Konfessionslosigkeit der Anlage betont und eine etwaige Einweihung des Areals explizit untersagt.
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Da diese Beschlüsse in katholischen Kreisen sehr negativ aufgenommen wurden, kam es zu Protesten, die an Vehemenz zunahmen, als bekannt wurde, dass der jüdischen Glaubensgemeinschaft gegen einen hohen Geldbetrag eine eigene Abteilung im Westen des Friedhofsgeländes zugesichert wurde. Daraufhin wurde ein neuer Beschluss gefasst, der nunmehr eine etwaige Einweihung zuließ – allerdings ohne Einschränkung auf eine bestimmte Glaubensgemeinschaft –, eine kirchliche Ministerialgewalt über den Friedhof jedoch ausschloss.
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Der Termin der Eröffnung stand unmittelbar bevor, die Proteste dauerten jedoch an und konservative Gruppierungen riefen zu Kundgebungen am Tag der Eröffnung auf. Zu einer solchen Eskalation kam es aber nicht, da Kardinal Rauscher, andere Quellen nennen den Prälaten Ludwig Angerer, in Absprache mit dem Wiener Bürgermeister Cajetan Felder am frühen Morgen des 30. Oktobers 1874 eine von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkte katholische Einweihung des Friedhofs vornahm. Am 1. November 1874 schließlich wurde der Wiener Zentralfriedhof offiziell seiner Bestimmung übergeben. An diesem Tag noch wurde der Josefstädter Privatier Jakob Zelzer dort als Erster in einem auch heute noch bestehenden Einzelgrab beerdigt, 13 weitere Tote fanden in einem gemeinsamen Schachtgrab ihre letzte Ruhe.
Zentralfriedhof Wien © www.klostergeschichten.at / Erhard Gaube Zentralfriedhof Wien © www.klostergeschichten.at / Erhard Gaube
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Seit und teils auch schon vor seiner Eröffnung wurde der Zentralfriedhof häufig kritisiert und war bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt – und dementsprechend schlecht besucht. So wurde die Trostlosigkeit des Areals bekrittelt, da im Vergleich zu heute nur eine karge Vegetation vorherrschte, außerdem verzögerte sich die Errichtung der dazugehörigen Bauwerke. Friedhofsbesucher mussten eine lange und mitunter beschwerliche Anreise auf sich nehmen, da es zu dieser Zeit noch keine direkte Bahnverbindung zum Friedhofsgelände gab. Im Oktober 1874 fasste eine Wiener Zeitung diese Stimmung in der Frage zusammen: „Eine Stunde Fahrzeit, zwischen Schlachthäusern und Heide und Bauern, und wofür?“
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Zentralfriedof Wien
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Um diesem negativen Image entgegenzuwirken und die Attraktivität des Friedhofs zu steigern, beschloss der Gemeinderat 1881 die Errichtung einer Ehrengräberanlage. Dazu wurden die sterblichen Überreste verschiedener prominenter Persönlichkeiten von anderen Friedhöfen auf den Zentralfriedhof verlegt, unter anderem Ludwig van Beethoven und Franz Schubert vom Währinger Ortsfriedhof.
Zentralfriedhof Wien © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Allerheiligen 1952; Besucherandrang bei der Straßenbahn vor dem 2.Tor.
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1910 bekam der Friedhof nach einem von Max Hegele gewonnenen Gestaltungswettbewerb eine Friedhofskirche, die Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus, und damit einen weiteren Anziehungspunkt für die Besucher. Die Kirche wurde lang als Karl-Lueger-Gedächtniskirche bezeichnet, weil Karl Lueger, der von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister war, hier beigesetzt ist.
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Blick durch die Eingangsallee mit Menschenmassen bei einer großen Trauerfeier. ;um 1930
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Ein anderes Problem, mit dem die Stadtväter zu kämpfen hatten, waren die Leichentransporte. Bei hunderten Toten pro Woche, die zur damaligen Zeit mit Pferdewagen in die neu entstandene Nekropole gebracht werden mussten, prägten diese kaum enden wollenden Leichenzüge schon bald das alltägliche Bild der Simmeringer Hauptstraße, sehr zum Missfallen der anwohnenden Bevölkerung, der diese ständige Konfrontation mit dem Tod zusehends auf das Gemüt schlug. Schon ab dem ersten Winter kam es immer wieder dazu, dass Kondukte im Schnee steckenblieben.
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Vorschläge, Konzepte und Pläne für alternative Leichentransporte gab es viele, die jedoch allesamt nicht zur Durchführung gelangten. Ein Konzept sah den Bau einer eigenen Bahnlinie zu diesem Zwecke vor, ausgehend von einer zentralen Sammelstelle in einer ehemaligen Markthalle. Geradezu futuristisch war der Plan von Architekt Josef Hudetz und Ingenieur Franz von Felbinger, ähnlich dem Prinzip der Rohrpost die Leichenbeförderung pneumatisch in einem langen, beim Zentralfriedhof endenden Tunnel durchzuführen.
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So wurde der Transport der Toten weiterhin mit Pferdefuhrwerken erledigt, erst 1918 wurde die seit der Jahrhundertwende elektrifizierte Straßenbahn dazu benutzt, 1925 wurde erstmals ein (nichtschienengebundener) motorisierter Leichenwagen eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg sind Leichentranporte mittels einer Bestattungsstraßenbahn, die zahlreiche Särge aufnehmen konnte, durchgeführt worden, was nur für Wien bekannt ist.
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Nicht jeder Wiener wollte seine letzte Ruhe auf dem Wege der Erdbestattung antreten. So gab es seit dem ausklingenden 19. Jahrhundert mehr und mehr Befürworter der Feuerbestattung, und Anfang des 20. Jahrhunderts stellte sich die Wiener Sozialdemokratie bzw. die Arbeiterbewegung mit ihrer Forderung nach einer Feuerhalle gegen die katholische Kirche, die dies strikt ablehnte. 1921 wurde der Bau der Feuerhalle Simmering im seit 1919 „Roten Wien“ vom Gemeinderat bewilligt. Am 17. Dezember 1922 erfolgte die Eröffnung ungeachtet eines am Vortag vom christlichsozialen Minister für soziale Verwaltung Richard Schmitz verfügten Verbots. Dies brachte in weiterer Folge dem Wiener Bürgermeister Jakob Reumann eine Klage beim Verfassungsgerichtshof ein; der VfGH entschied, Reumann habe sich in einem entschuldbaren Rechtsirrtum befunden, die Feuerhalle blieb in Betrieb. Erst am 24. Oktober 1964 erteilte der Vatikan die offizielle Zustimmung zur Feuerbestattung. Im Jahr darauf erließ die Erzdiözese Wien Vorschriften für die Einsegnung bei einer Feuerbestattung, 1966 wurde diese offiziell der Erdbestattung gleichgestellt.
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Zentralfriedof Wien
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Das Krematorium befindet sich nicht auf dem Gelände des Zentralfriedhofs, sondern jenseits der Simmeringer Hauptstraße, schräg gegenüber dem Hauptportal (2. Tor).
Nach den schlichten und auf ein Minimum reduzierten „Sparbegräbnissen“ unter Kaiser Josef II. versuchte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das wohlhabende Bürgertum es den Adeligen gleichzutun und inszenierte prunkvolle Trauerfeiern und Begräbnisse. Der seither viel zitierte Begriff der „schönen Leich“ war geboren.
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Begräbnis von Bundespräsident Körner 1957. Begräbnis am Zentralfriedhof,
der Sarg wird ins Grab gelassen; In der Mitte der große Sarg, dahinter stehen in einem
Halbkreis zahlreiche Trauergäste: In der ersten Reihe Kleriker, dahinter viele Politiker.
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Auch heute noch stößt die schöne Leich auf das Interesse der Wiener Bevölkerung, so sind Staatsbegräbnisse von Politikern sowie Beerdigungen von Persönlichkeiten aus anderen Schaffensbereichen für viele Menschen Anlass, diesen prominenten Verstorbenen eine letzte Ehre zu erweisen. Wird beispielsweise ein Bundespräsident beigesetzt, so ist die Straße, die vom Hauptportal zur Präsidentengruft führt und zu beiden Seiten von Ehrengräbergruppen flankiert wird, Schauplatz von langen Trauerzügen. Aber auch von Vertretern der zeitgenössischen Popkultur wird mitunter in großem Rahmen Abschied genommen: Im Februar 1998 wohnten der feierlichen Beisetzung von Popstar Falco in einem ehrenhalber gewidmeten Grab tausende Menschen bei.
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Zentralfriedof Wien
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Bestattungen auf dem Zentralfriedhof werden in den meisten Fällen von der „Bestattung Wien“ durchgeführt, einem Unternehmen der im Eigentum der Stadt Wien befindlichen Wiener Stadtwerke Holding AG. Bis vor wenigen Jahren war die Bestattung Wien noch Monopolist, aber nachdem im Jahr 2002 das Wirtschaftsministerium den Bedarfsnachweis für Bestattungsunternehmen ersatzlos gestrichen hat, eröffnete im darauffolgenden Jahr der Bestatter „Pax“ als erster Konkurrent eine Niederlassung in der Simmeringer Hauptstraße. Bei der Gestaltung von Verabschiedungen haben die Hinterbliebenen viele Freiräume, von der (teils unkonventionellen) Auswahl der Musik während der Trauerfeier bis hin zur Möglichkeit, das Geleit des Sarges von der Aufbahrungshalle zur Grabstelle mittels einer historischen, sechsspännigen Trauerkutsche durchführen zu lassen.
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Zentralfriedof Wien - Russischer Soldatenfriedhof.
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Die Verwaltung des Friedhofs fällt seit 2008 in die Zuständigkeit der Friedhöfe Wien GmbH (bis 2007 Magistratsabteilung 43, „Städtische Friedhöfe“), zu der unter anderem die untergeordneten Stellen „Städtische Friedhofsgärtnerei“ und „Städtische Steinmetzwerkstätte“ zählen, letztere müssen sich jedoch gegen eine Vielzahl an konkurrierenden Friedhofsgärtnereien und Steinmetzbetriebe behaupten, die sich entlang der Simmeringer Hauptstraße in der Nähe angesiedelt haben.
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Zentralfriedof Wien - Russischer Soldatenfriedhof.
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Der Zentralfriedhof wurde im Laufe seiner Geschichte insgesamt sieben Mal erweitert (zuletzt 1921) und beherbergt derzeit (2006) etwa 330.000 Grabstellen mit rund drei Millionen Verstorbenen. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung galt er als die größte Friedhofsanlage Europas, seine aktuelle Gesamtfläche von knapp 2,5 km² wird nur von dem 4 km² großen Hamburger Friedhof Ohlsdorf übertroffen.
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Zentralfriedhof Wien © www.klostergeschichten.at / Erhard Gaube Zentralfriedhof Wien © www.klostergeschichten.at / Erhard Gaube
Zentralfriedof Wien - Anatomie Gedenkstätte.
Eine Grabanlage in der Gruppe 26 für Personen die ihren Körper der
Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben.
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Eine der letzten gestalterischen Neuerungen stellt der vom Architekten Christof Riccabona entworfene, von der Städtischen Steinmetzwerkstätte unter der Leitung von Leopold Grausam jun. ausgeführte und 1999 eröffnete Park der Ruhe und Kraft dar. Es handelt sich um einen geomantischen Landschaftspark, der in fünf unterschiedlich gestaltete Bereiche gegliedert ist und zur körperlichen wie geistigen Entspannung und Besinnung einladen soll.
www.friedhoefewien.at
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Wiener_Zentralfriedhof" der
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