Zisterzienser
Ordo Cisterciensis
Ordenskürzel: OCist (SOCist)
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Zisterzienser nennen sich die Mönche und Nonnen, die in der Tradition der Gründer des Klosters Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollen. Der Zisterzienserorden entstand durch Reformen aus der Tradition des Ordens der Benediktiner. Die verschiedenen Zweige der Zisterzienser, die sich dem geistlichen Erbe des Mutterklosters Cîteaux verpflichtet wissen, bilden die Familia Cisterciensis. Dazu zählt neben dem Zisterzienserorden (lat. Ordo Cisterciensis, Ordenskürzel: OCist, früher SOCist), einem monastischen Orden in der römisch-katholischen Kirche, auch der Zisterzienserorden der strengeren Observanz (Trappisten, Ordenskürzel OCSO) und die männlichen und weiblichen Gemeinschaften der Zisterzienseroblaten, die einem der genannten Orden unterstellt sind.

Mutterkloster und Namensgeber der Zisterzienser ist das 1098 von dem Benediktiner Robert von Molesme († 1111) und zwanzig weiteren Mönchen der Abtei Molesme gegründete Kloster Cîteaux (lat. Cistercium, dt. Zisterze). Abweichend werden Zisterzienser aber auch nach dem hl. Bernhard von Clairvaux Bernhardiner bzw. Bernhardinerinnen genannt.
Ordensgründung
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Hl. Bernhard von Clairvaux Statue im Stift Heiligenkreuz.
© Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Ein wesentlicher Anlass zur Ordensgründung war in der etwa 100 Kilometer entfernten Abtei Cluny zu suchen. Diese große und angesehene Benediktinerabtei in Burgund hatte im 11. Jahrhundert durch Spenden, Stiftungen und Erbschaften ein großes Vermögen und weite Ländereien erworben. Besonders deutliches Zeichen des Wohlstandes war der 1088 begonnene Bau der damals größten Kirche der Christenheit, die sogar die Basilika Alt-Sankt-Peter in Rom an Größe übertraf. Die Innenausstattung mit Fresken war aufwendig. In dieser einflussreichen Abtei (aus den Reihen ihrer Mönche gingen mehrere Päpste hervor) spielte die Liturgie eine herausragende Rolle. Durch Prachtentfaltung und Reichtum waren die ursprüngliche Einfachheit der monastischen Lebensweise und das Ideal, von der eigenen Hände Arbeit zu leben, abhandengekommen.
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Vor diesem Hintergrund bemühte man sich im 11. Jahrhundert an verschiedenen Orten, die ursprünglichen Ideale der Benediktsregel wieder zur Geltung zu bringen. In diesem Kontext steht auch die Gründung der Abtei in Molesme im Jahre 1075 durch Robert von Molesme. Allerdings war ihm schon nach kurzer Zeit das Leben seiner Klostergemeinschaft nicht streng genug, so dass er 1098 mit anderen reformbereiten Mönchen aus Molesme auszog und in einer abseits gelegenen Gegend in Cîteaux ein neues Kloster gründete. Die neue Gemeinschaft hatte das Ziel, ganz nach der Ordensregel des Benedikt von Nursia (Regula Benedicti) zu leben. Auf dieser Grundlage wollte sie ausschließlich von ihrer eigenen Hände Arbeit leben. Einnahmen aus Verpachtung und Zinsen sowie die Erhebung des Zehnten lehnte sie ab. Abgeschiedenheit von der Welt und Einfachheit der Lebensweise waren Grundideale der Reformgruppe.
Stephan Harding © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Stephan Harding © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Stephan Harding
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Von ihrer Grundintention her wollten Robert und seine Mönche nichts anderes sein als Benediktiner und getreu nach dessen Regel leben. Jedoch unterschied sich die Lebensweise der Mönche von Cîteaux entscheidend von der anderer Benediktinerklöster, insbesondere der von Cluny. So entstand aus der als Reform innerhalb des Benediktinertums gedachten Neugründung ein neuer Orden mit einer eigenen Liturgie, dem Zisterzienserritus. Die Zisterzienser waren zugleich der erste zentralistisch organisierte Mönchsorden.

Robert von Molesme wurde bereits 1099 auf Betreiben seiner früheren Mitbrüder von Papst Urban II. nach Molesme zurückberufen. An seine Stelle als Abt von Cîteaux trat Alberich von Cîteaux, der das Kloster zehn Jahre lang leitete. 1109 löste ihn Stephan Harding ab, der der neuen Gemeinschaft mit seiner Carta Caritatis eine Verfassung gab; am 23. Dezember 1119 wurde diese durch Papst Calixt II. in der Bulle Ad hoc in Apostolicae Sedis bestätigt. Somit ist Stephan Harding der eigentliche Gründer des Zisterzienserordens.
Organisation und Ausbreitung
Zisterzienser © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung Zisterzienser © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zisterzienser Eugen III.
Papst von 1145 bis 1153
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Zisterzienser Lucius III.
(† 1185), Papst von 1181 bis 1185
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Jede Abtei des Zisterzienserordens ist grundsätzlich selbständig, jedoch auf die einheitlichen Statuten des Ordens verpflichtet. Jede Abtei bleibt gegenüber ihrem Mutterkloster verantwortlich. Die Zisterzienser legten von Anbeginn Wert auf einheitliche Bauten, Bräuche und Tagesabläufe in allen Klöstern des Ordens. Der aus der Carta Caritatis zitierte Satz wurde den Mönchen zum Motto: Una caritate, una regula similibusque vivamus moribus („Wir wollen in einer Liebe, unter einer Regel und nach einheitlichen Bräuchen leben“). Der Abt des Mutterklosters visitiert als Pater Immediat (direkter kirchlicher Vorgesetzter) die Tochtergründungen (Filiationsprinzip). Bis zu ihrer Aufhebung im Zuge der Französischen Revolution wurde die Abtei Cîteaux erste Abtei und daher Mutterkloster des Ordens, von den Äbten der ersten vier Gründungen (den Primarabteien) visitiert. In Cîteaux tagte das Generalkapitel unter dem Vorsitz des Abtes von Cîteaux. Seit der Neuorganisierung des Ordens nach der Französischen Revolution steht ein gewählter Generalabt, der in Rom residiert, an der Spitze des Ordens. Die Belange des Ordens werden auf dem Generalkapitel, an dem alle Äbte und Äbtissinnen des Ordens teilnehmen, geregelt. Das Filiationsprinzip ist spätestens seit dem 16. Jahrhundert durch regional bestimmte Kongregationen ersetzt worden.
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Insbesondere aufgrund des Wirkens von Abt Bernhard von Clairvaux begann der Orden sich sehr rasch in ganz Europa auszubreiten. Durch Predigt, persönliches Beispiel und theoretische Vorgaben zum Klosterbau wurde er zum eigentlichen Ordensvater, so dass die Zisterzienser manchmal als Bernhardiner bezeichnet werden. Ein weiblicher Zweig nennt sich heute Bernhardinerinnen.

Der Orden breitete sich auf zwei verschiedene Arten aus: Einerseits wurden neue Konvente an Stellen gegründet, an denen es zuvor keine Klöster gegeben hatte, andererseits schlossen sich zahlreich bereits bestehende Abteien dem Orden an. Am Ende der dynamischen Expansionsperiode, also um 1300, war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas vertreten und zählte insgesamt ca. 700 Niederlassungen.

Ab dem 13. Jahrhunderte erlaubte der Zisterzienserorden auch Frauenkonventen, sich dem Orden anzuschließen, wogegen er sich zuvor gesträubt hatte. In der Folge stieg die Anzahl der Klöster der Zisterzienserinnen stark an. Dies erfolgte zum einen durch Neugründung von Klöstern, aber auch zahlreiche bereits bestehende Frauenklöster wurden nach zisterzienserischen Regeln reformiert und dem Orden unterstellt. Im Generalkapitel wurde die Expansion argwöhnisch betrachtet. Es beschloss 1228, keine weiteren Frauenklöster mehr in den Orden aufzunehmen.
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Ende des 13. Jahrhunderts begannen sich die Zisterzienser von ihren Gründungsidealen zu entfernen. Die effiziente Wirtschaftsweise hatte die einzelnen Klöster reich gemacht, gleichzeitig traten nicht mehr genug Laienbrüder (Konversen) in die Klöster ein, unter anderem weil junge Männer aus nicht-adeligen Familien sich in dieser Zeit eher den neu aufkommenden Bettelorden, vor allem den Franziskanern und Dominikanern, anschlossen. Aufgrund dieser Entwicklung konnten die umfangreichen Ländereien nicht länger in Eigenarbeit bewirtschaftet werden. Daher begannen die Zisterzienser, von den Abgaben abhängiger Pachtbauern zu leben, wie zuvor schon die Benediktiner. Der Wohlstand der Konvente führte in vielen Fällen zu einer Aufweichung der asketischen Lebensführung, der Lebensstil mancher Gemeinschaften wurde aufwendig.

Die Ausbreitung der Bettelorden führte zu einer Stagnation in der Ausbreitung des Zisterzienserordens. Trotzdem blieb die Zahl der Klöster groß. So gab es Mitte des 13. Jahrhunderts 647 Zisterzienserklöster; 1675 gehörten 724 Klöster dem Orden an . Ab 1425 schlossen sich wegen der weiten geographischen Ausbreitung des Ordens und der damit verbundenen Schwierigkeit einer zentralen Führung Zisterzienserklöster nach dem Vorbild der Benediktiner zu Kongregationen zusammen.
Entwicklung in Österreich
Zisterzienser © ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Refektorium des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz zwischen 1940-1960
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung
Das Stift Rein wurde 1129 durch Markgraf Leopold den Starken gegründet und von Kloster Ebrach aus besiedelt. Es ist das weltweit älteste, noch bestehende Zisterzienserkloster. Die Gründung des Klosters Heiligenkreuz erfolgte 1133 vom Mutterkloster Morimond in Burgund. Weitere Neugründungen waren unter anderem 1138 das Stift Zwettl, 1142 Stift Viktring, 1202 das Stift Lilienfeld, 1263 das Kloster Goldenkron und 1273 das Stift Stams.
Das geistliche Leben der Zisterzienser
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Die Zisterzienser sind ein kontemplativer Orden. Sie führen ein äußerlich zweckfreies Leben, um frei zu sein für ihre Suche nach Gott. Kernmerkmale der Zisterzienserspiritualität sind ein beständiges Leben in der Klausur und gebunden an ein bestimmtes Kloster (Stabilitas loci), die Verbindung von abgeschiedenem Leben und zugleich Gemeinschaftsleben innerhalb des Klosters, die Pflege einer einfachen Lebensweise, Hochschätzung der Handarbeit sowie eine kontemplative Lebensweise mit gemeinschaftlichem Chorgebet und betrachtendem Gebet in der Stille. Einen besonderen Stellenwert im Zisterzienserleben nimmt die Marienverehrung ein.

Zum Habit der Zisterzienser gehört eine weiße oder graue Tunika, ein Skapulier mit Gürtel oder Zingulum und bei den Mitgliedern mit ewiger Profeß eine weiße Kukulle Die Zisterzienserinnen tragen dazu einen Schleier, der bei den ewigen Professen schwarz ist, bei den Novizinnen weiß. Zudem tragen die Novizinnen statt des schwarzen Skapuliers der Professen ein weißes.
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Zisterzienser - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Die Zisterzienser leben und arbeiten auch im sozialen und kulturellen Bereich. Viele Klöster betreiben neben ihren eigenen Werkstätten Schulen oder haben als Priester die seelsorgerische Betreuung einzelner Pfarreien übernommen.

Der Tagesablauf ist geprägt von den Gebetszeiten des Stundengebets der Kirche: Vigil, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet (Regula Benedicti, 16). Die erste Gebetszeit findet in den frühen Morgenstunden, meist zwischen 4 und 6 Uhr statt, die letzte nach Sonnenuntergang. Zentral ist die tägliche Feier der Heiligen Messe.
Anlage der Klöster
Zisterzienser © Stadt Langenthal - www.langenthal.ch
Zisterzienserkloster St. Urban.
© Stadt Langenthal - www.langenthal.ch
Die Architektur der Zisterzienserklöster entwickelte Bernhard von Clairvaux. Im Inneren wurde auf Ornamentierung und Bauschmuck weitgehend verzichtet. Daher üben die Klöster des 12. und 13. Jh. eine starke Wirkung auf den Betrachter aus. Die Bauregeln sahen außerdem für die Klosterkirche einen turm- und kryptenlosen Bau mit flach abschließendem Chor (keine Apsis) vor. Die Kirchen wurde als Basilika mit höherem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen errichtet. Hinzu kommt bei nicht wenigen Bauten eine offene Vorhalle, angegliedert an die Westfront (Kloster Maulbronn).
Zisterzienser - Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
Zisterzienserabtei Walkenried
Quelle: Wikimedia Commons - Lizenz (CC-BY-SA 3.0)
In der Zeit Bernhards von Clairvaux entstand ein Standardtypus für die Klöster, an dem viele Neugründungen sich orientierten. So kommt es, dass vor allem die frühen Neugründungen oftmals einen ähnlichen Grundriss aufweisen (sogenannter „bernhardinischer Plan“). Schon in der Frühzeit des Ordens wurden Prinzipien für die Lage der Klöster festgelegt: Alle Zisterzen sollten an Orten weit entfernt von menschlichem Verkehr gegründet werden. Daraus ergibt sich die bis heute charakteristische Lage der frühen Klöster in bewaldeten Tälern fernab der großen Städte und bedeutenden Handelsrouten.
Zisterzienser © Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz - www.stift-heiligenkreuz.org
Kreuzgang - Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz.
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Als Neuerung im Idealgrundriss gegenüber dem bisher üblichem Konzept der Benediktinerklöster lässt sich der sogenannte Konversengang erkennen, ein parallel zum Südteil des Kreuzgangs verlaufender und mit diesem nicht verbundener Gang, der es den Laienbrüdern (Konversen) ermöglicht, in die Kirche zu kommen, ohne den Kreuzgang als Bereich der Chormönche zu betreten.
www.ocist.org
Dieser Bericht basiert auf dem Artikel "Zisterzienser" der
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